Wer loslässt hat beide Hände frei

„Du musst endlich loslassen und nach vorne blicken“,
höre ich noch heute, die gut gemeinten Ratschläge meiner Freunde und Familie.

Als ich vor neun Jahren verlassen wurde, brach eine Welt für mich zusammen.
Nach 17 gemeinsamen Jahren, beschloss mein Ex-Mann ein neues Leben anzufangen.
Eines ohne mich, aber dafür mit seiner neuen Freundin.

Das es mich dermaßen aus der Bahn werfen würde, hätte ich zu diesem Zeitpunkt nicht gedacht

Und doch verlor ich vollständig den Boden unter den Füßen.
Ich konnte nicht mehr essen, ich konnte nicht mehr schlafen und ich verlor mich selbst immer mehr.
Emotional und körperlich völlig erschöpft, suchte ich mir professionelle Hilfe.

Eine der ersten Fragen, die mir damals gestellt wurde war:
„Wo sehen Sie sich in einem Jahr?“

Wie bitte? Wo ich mich in einem Jahr sehe?
Ich war froh, wenn ich überhaupt den aktuellen Tag überstand.
Eine neue Zukunftsvision war da wenig hilfreich.
Allein die Frage, machte mir schon Angst und die einzige Antwort, die ich hatte war:

Ich will verdammt nochmal mein Leben zurück und ich will das alles wieder gut wird!

Heute weiß ich, dass diese Frage berechtigt war,
aber sie kam für mich damals einfach zu früh.
Ich war noch nicht bereit loszulassen.
Ich hielt so fest ich nur konnte und lebte somit immer noch in der Vergangenheit.
In unserer Vergangenheit, doch mit dem Unterschied, dass er nicht mehr da war.

Aber wie macht man das denn mit dem Loslassen?

Es gibt da keinen Hebel, den man einfach nur umzulegen braucht,
um frei zu sein von der Vergangenheit.
So einfach ist es leider nicht.
Wäre ja eigentlich eine geniale Erfindung :-)
Aber dann könnten wir ja nicht wachsen und uns weiterentwickeln…wär’ ja auch blöd.

Loslassen geschieht nicht von heute auf morgen

Es gibt nicht DIE eine Sache, die man tun muss,
um wie auf wundersame Weise, endlich loslassen zu können.
Vielmehr ist loslassen ein Prozess, der seine Zeit braucht
und der aus vielen einzelnen Schritten besteht.

Wie lange es dauert, hängt aber auch davon ab,
wie viel du selbst bereit bist, dafür zu tun.

Warum fällt Loslassen so schwer?

Die Vergangenheit loszulassen macht uns Angst,
weil es uns mit dem Gefühl der Endgültigkeit und mit dem Verlust des Vertrauten konfrontiert.
So lange wir festhalten, fühlen wir uns noch verbunden.
Wir erhalten so die Illusion aufrecht, dass alles so bleibt wie es ist.

Doch gleichzeitig verhindern wir dadurch die Veränderung. Das Neue.
Und verlängern auf diese Weise nur unseren Leidensweg.
Aber es gibt Schritte, die dir das Loslassen erleichtern können.
Ich stelle dir hier die 4 wichtigsten Schritte vor, die mir damals dabei geholfen haben.

1.) Abstand gewinnen

Ich kann es nicht oft genug betonen, wie wichtig es ist,
den Kontakt zum Ex-Partner abzubrechen und Abstand zu gewinnen.
Das ist im gesamten Trennungsprozess der wichtigste Schritt überhaupt.
Aber, zugegeben, auch der schwierigste, wie ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann.
Leider führt kein Weg daran vorbei, wenn du willst, dass deine Wunden heilen.

Du würdest doch auch nicht freiwillig, eine offene Wunde immer wieder aufkratzen oder?

Einige hilfreiche Tipps zum Thema Kontaktabbruch, findest du auch in meinem Blogartikel über den Trennungsschmerz  Hier geht es zum Artikel

2.) Akzeptiere die Trennung

Der zweite wichtige Schritt ist die Akzeptanz.
Akzeptiere die Trennung als gegeben und versuche sie, so gut du kannst, anzunehmen.
Die Situation ist nun mal so wie sie ist und du hast keinen Einfluss darauf,
wie dein Ex-Partner für sich entschieden hat.
Selbst wenn du noch so sehr fest hältst, wird sich nichts dadurch verändern.

Wir unterliegen dem Irrglauben, dass akzeptieren bedeutet, etwas gutzuheißen.
Aber das ist falsch! Du musst es keinesfalls gut finden, um es anzunehmen.
Doch du musst es annehmen, um inneren Frieden zu finden.

Du schaffst damit Raum für Neues! Es ist DEIN Leben!
Und da wartet noch so viel Schönes auf dich.

Aber dazu brauchst du beide Hände.

 

3.) Akzeptiere deine Gefühle

Lass deine Trauer, deine Wut und deine Verzweiflung zu.
Wenn du versuchst, sie wegzudrücken, sie nicht spüren zu wollen,
dann wird der innere Widerstand nur umso stärker.

Stattdessen schließe die Augen, spüre dich ganz in das Gefühl hinein wenn es kommt,
und dann lass es da sein und auch wieder vorüberziehen.
Halte weder daran fest, noch unterdrücke es.
Dann kann es sich mehr und mehr auflösen.

Eine schöne und einfache Übung dazu, hat Dr. Alexandra Widmer von Stark und Alleinerziehend in einem ihrer Blogartikel beschrieben hier findest du ihn

 

4.) Gib dir Zeit

Wie bereits erwähnt, ist Loslassen ein innerer Prozess, der sich erst Stück für Stück vollzieht.
Sei geduldig mit dir und gebe dir diese Zeit.
Vielleicht fühlt es sich sehr lange so an, als kämst du keinen Schritt voran.
Dieses Gefühl kenne ich sehr gut und ich kann dir dazu sagen,
dass wir gar nicht bemerken, wie wir jeden Tag ein wenig mehr heilen.

Manchmal sind es nur winzige Babyschritte, aber dennoch bringt dich jeder einzelne Tag,
einen Schritt nach vorne.
Erst im Rückblick wirst du deine Entwicklung erkennen können.

Es ist wie eine Autofahrt auf einer dunklen Landstraße.
Du siehst immer nur das kleine Stück vor dir, das beleuchtet ist, aber nicht den ganzen Weg.
Und doch kommst du dem Ziel immer näher.
Erst wenn du angekommen bist weißt du, welche Strecke hinter dir liegt.

Fazit

So lange wir festhalten, leben wir in der Vergangenheit und verhindern so unsere Zukunft.

Die Vergangenheit loszulassen bedeutet nicht, etwas aufzugeben oder gutzuheißen,
sondern inneren Frieden zu finden und Raum zu schaffen für neue Möglichkeiten im Leben.

Gewinne Abstand und akzeptiere die Situation und deine Gefühle wie sie sind, ohne an ihnen festzuhalten.
Dann wird dein Weg leichter..

Ich wünsche dir auf diesem Weg ganz viel Mut uns Stärke!
Du schaffst das!

Alles wird gut ♥

Deine Tina