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Es war im Sommer 2006, als sich in meinem Leben eine Tür öffnete,
die ich freiwillig niemals aufgestoßen hätte.
Es sollte die schmerzlichste Zeit meines Lebens werden
und doch gleichzeitig auch das größte Geschenk.

Dieser Artikel ist mein Beitrag zur Blogparade von Kiwi Pfingsten – Wenn Türen sich öffnen.
Die Blogparade möchte Mut machen, Chancen im Leben zu ergreifen,
Veränderungen anzugehen und über sich selbst hinauszuwachsen!

Die Tür durch die ich nicht hindurchgehen wollte, aber dennoch musste

Mein Ex-Mann beendete unsere Ehe nach siebzehn gemeinsamen Jahren
und fing mit seiner neuen Freundin ein anderes Leben an.
Ich blieb zurück auf unserem Scherbenhaufen
und verlor nicht nur meine Ehe und mein Zuhause, sondern vor allem mich Selbst.

Der Gang, der hinter dieser Tür meines Lebens lag, war so eng,
dass jeder einzelne Schritt hindurch schmerzte.
Es war stockfinster um mich herum und wenn ich hinfiel,
blieb ich oftmals einfach nur liegen, weil mir die Kraft zum Aufstehen fehlte.

Und wenn ich aufstand, dann kehrte ich immer wieder um
und rüttelte an dieser Tür, so fest ich konnte.
Ich wollte sie einfach wieder öffnen und in mein bisheriges Leben zurückkehren.

Doch diese Tür blieb mir für immer verschlossen.

Die Begegnung mit meiner Hilflosigkeit

Mir blieb nichts anderes übrig als weiter zu gehen und zu atmen.
Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich hilflos.
Nicht ICH hatte für mich entschieden, sondern das Leben hatte für mich eine Entscheidung getroffen, mit der ich nicht einverstanden war.
Und die ich nicht einmal ansatzweise verstehen konnte.

„Warum habe ich so etwas verdient??
Warum kann ich es denn nicht mehr ändern?

Ich fühlte mich vom Leben bestraft und im Stich gelassen

Es war, als wäre ich komplett abgeschnitten von mir.
Ich konnte den Sinn dahinter (noch) nicht sehen und ich bezweifelte,
dass es überhaupt einen Sinn für mich hatte.

Irgendwann gabelte sich der Weg und eine neue Tür tat sich auf.
Voller Hoffnung ging ich hindurch.
Würde nun die große Wende kommen und mein Leben wieder in Ordnung bringen?

Wenn Bedürftigkeit mit Liebe verwechselt wird

Ich war innerlich haltlos und bedürftig.
Alles was ich wollte, war einfach nur geliebt zu werden.
Doch was ich fand, war Liebe in ihrer ungesündesten Form.
Ich ging eine Beziehung ein, die für beide Seiten ungesund war.

Obwohl ich wusste, dass ich die falsche Tür genommen hatte, steckte ich fest.
Ich konnte nicht mehr anders. Ich hatte einfach keine Kraft mehr.
Ich verwechselte meine eigene Bedürftigkeit mit dem Gefühl von Liebe.

Doch wie hätte an dieser Stelle jemals echte Liebe entstehen können?

Ich war noch lange nicht frei für eine neue Liebe
und ich war auch viel zu leer, um selbst wieder lieben zu können.
Und doch hielt ich an der ungesunden Beziehung fest
und fügte mir dadurch mehr Schmerzen zu als ich tragen konnte…

Die Tür zu meinem Selbst

Am tiefsten Punkt meines Lebens erkannte ich,
dass das, wonach ich suchte, nicht im Außen zu finden war.
Ich klammerte mich an etwas, dass mir INNERLICH fehlte.

Es war Liebe.

Ich wollte geliebt werden und übersah dabei vollkommen,
dass ich mich selbst nicht liebte

Ich ging endlich nach INNEN.

Wer bin ich und was will ich eigentlich wirklich?

Die Tür zu meinem Selbst hatte sich nun vollständig geöffnet und ich ging bereitwillig hindurch.
Ich begegnete meinen inneren Wunden, aber auch meiner Stärke und meinen Werten.

Auch eine große Tür braucht nur einen kleinen Schlüssel

Die größte Tür auf meinem Weg, war die Tür zu mir Selbst.
Und der Schlüssel, den ich dazu brauchte, war meine Selbstliebe.

Selbstliebe. Was für ein großes Wort.
Aber ich musste mich gar nicht besonders toll finden
oder meinem Spiegelbild ständig sagen, wie sehr ich mich doch lieben würde…
Nein, ich brauchte keine Beweise dafür, dass ich liebenswert bin..

Selbstliebe war nichts, dass ich von Außen machen musste.
Sie war einfach da.
Ich musste diese Liebe, die immer schon in mir war, einfach nur annehmen.
Ich musste MICH einfach nur annehmen. Und zwar so wie ich bin.

Wenn ich das jemals überstehe, dann helfe ich Frauen die dasselbe durchmachen müssen

Schon damals reifte der Gedanke in mir, anderen Frauen helfen zu wollen,
wenn ich es selbst je schaffen würde, meine Trauer zu überwinden.
Allerdings glaubte ich zu jener Zeit nicht wirklich daran, wieder glücklich werden zu können.
Den Schmerz zu überwinden war das Eine, aber eine neue Liebe zu finden…unvorstellbar.

Doch ich habe es geschafft..und zwar beides :-)

Die Tür zu meiner beruflichen Veränderung

Aus dem Wunsch anderen Frauen helfen zu wollen, wurde meine Berufung.

Es ist für mich ein großes Geschenk meinen Klienten Mut zu machen weiterzugehen,
und ihnen zu zeigen, dass man Trauer nicht nur überwinden, sondern daran wachsen kann.
Ich bin dankbar für meine Erfahrungen, denn heute kann ich sie weitergeben
und anderen Frauen dadurch viele Schmerzen und Umwege ersparen.

Meine eigene Geschichte bekommt so, einen tieferen Sinn.
Sie hat mich nicht nur in meine Stärke geführt, sondern auch zu meiner Berufung.

Fazit

Erst durch diese schmerzliche Zeit, in der ich auf mich selbst zurückgeworfen wurde,
habe ich mich wirklich kennengelernt.
Ich bin meiner Hilflosigkeit begegnet, aber auch meiner inneren Stärke.
Ich habe “die Hölle“ durchquert und bin doch im “Himmel“ angekommen.

Auch wenn ich diese Türen niemals freiwillig geöffnet hätte,
bin ich dankbar für diese Erfahrungen, denn sie haben mich zu dem gemacht,
was ich heute bin.

Und wenn ich etwas aus diesem Schmerz gelernt habe, dann dieses :

Vertraue dem Leben!

Denn es weiß IMMER welcher Platz für dich der Richtige ist.

Vor welcher Tür in deinem Leben stehst du gerade?

Alles Liebe,
Deine Tina